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An die Stelle der Götter trat die ausgeglichene Bilanz.

Es gibt kein Datum. Es gibt keinen Punkt. Es gibt noch nicht mal ein echtes Ereignis. In den alten Texten steht es geschrieben: „Durch die Geburt wird jedes Wesen als eine Schuld gegenüber den Göttern, den Heiligen, den Vätern und den Menschen geboren. Wenn man ein Opfer bringt, dann weil man den Göttern von Geburt an etwas schuldet… Wenn man einen heiligen Text rezitiert, dann weil man den Heiligen etwas schuldet… Wenn man Nachkommen wünscht, dann wegen der Schuld gegenüber den Vätern von Geburt an… Und wenn man Gastfreundschaft schenkt, dann weil man den Menschen etwas schuldet…“
An die Stelle der Götter trat die Gesellschaft! Aber was ist die Gesellschaft? Woher kann ich wissen, zu welcher Gesellschaft ich gehöre? Warum muss ich es wissen?
Mit der Gesellschaft kam der Staat und mit dem Staat der Markt und die Vorstellung das der Staat ohne den Markt nicht zu denken wäre und der Markt ist nicht ohne den Tausch zu denken und der Tausch nicht ohne Ausgeglichenheit und auch nicht ohne den Kredit und der Kredit nicht ohne das Geld. Die Unbegreiflichkeit unserer Existenz suchte sich allerlei Wege um eben dieser Unbegreiflichkeit – wenn nicht Dankbarkeit – dann zumindest Schuld entgegen zu setzen!! Nach und nach weiteten wir die Schuld aus und wandten sie auf alle sozialen Verpflichtungen an: Die Rechenmaschinen und die Registrierkassen maßen unsere Schuld, fanden Quantifizierungen und schufen justitiable Kategorien:
An die Stelle der Götter trat das Gesetzt. Aber was ist das Gesetz? Woher weiss ich welchem Gesetzt ich folgen muss und warum muss ich es wissen?
Aus der Schuld wurden die Schulden und aus der Metaphysik gebar sich das Gesetz: Die Ideen des Adam Smith über den Wohlstand der Völker verbanden sich mit dem physikalischen Weltbild des Issac Newtons und wurden von einer unsichtbaren Hand begleitet… Mit dieser scheinbaren Gewissheit, mit den Zahlen und Preisen, mit dieser prosaischen Rationalität setz sich aber auch die Vorstellung fest, das die Schuld, die nun ja nur noch aus Schulden besteht, rückzahlbar wäre… das es definitorisch notwendig sei Schulden zu begleichen, seine Bilanz sauber zu halten, mit allem quitt zu sein… Wir müssen zwangsläufig für unseren Staat im Krieg sterben, um unsere Schulden zu begleichen? Wollen wir wirklich mit der ganzen Menschheit quitt sein?
An die Stelle der Götter trat die ausgeglichene Bilanz. Aber was ist die ausgeglichene Bilanz? Woher soll ich wissen, wann meine Bilanz ausgeglichen ist? Und warum muss ich es wissen?
Auf dem Fundament der Ungleichheit wird der Staat das Inkasso-Unternehmen der Götter…?Wer von uns wird der Gläubiger des Andern, Und wer der Schuldner sein?

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