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Pinocchio und Freddy Quinn

Erst kurz vor Beginn füllt sich der Saal zusehends mit erwartungsvollem Publikum. Die Bühne ist karg: Ein Flipchart, eine 2×2 Meter große mobile Projektionsleinwand, ein kleines Podest auf dem ein Glas Wasser steht und eine Beleuchtung, die den Namen kaum verdient. Man könnte eher sagen: Das Licht ist an! Der Vortragende betritt die Bühne. In der Hand eine kleine Nebelmaschine, die eifrig und ein bisschen albern Dampf produziert. Das spannungslose Auftreten des Vortragenden und der sich schnell auflösende Nebel vermitteln eine gewisse Trostlosigkeit.

Sehr verehrte Damen und Herren, guten Abend!
Schön, dass Sie es einrichten konnten! Schön, dass Sie sich Zeit nehmen, – das Sie sich Zeit nehmen für E wie Effizienz! Gemeinsam finden wir uns heute Abend in einem Paradoxon wieder! Mit dem heutigen Abend begeben wir uns gemeinsam in einen unauflösbaren Widerspruch! Durch Ihren Besuch haben Sie den Widerspruch beglaubigt, ihn akzeptiert, nobilitiert, quasi ermöglicht. Warum? Sie nehmen sich Zeit für Effizienz. Was ist ein Paradox? Pinocchios’ Nase wächst bekanntlich, wenn er lügt. Was passiert aber wenn er sagt: „Meine Nase wächst gerade“?

Mit dem Conversationslexikon begeben wir uns auf verschlungene Wege, auf die Spuren der Begriffe, ohne recht zu wissen wo wir dabei landen werden. Ein Flanieren auf der Suche nach Erkenntnis ohne rechtes Ziel, aber mit der Hoffnung, das sie sich einstellen möge – die Erkenntnis. Das ist nun eigentlich das Gegenteil Wirtschaftlichkeit und von Effizienz allemal! Und das ist das Paradoxon: Denn wenn Sie wirklich etwas von Effizienz in seiner Anwendung wissen wollen würden, dann sollten Sie sicher nicht hierher kommen. Vielleicht trieb Sie ein gewisser kritischer Geist hierher? Eine gewisse Skepsis gegenüber dem Begriff? Oder gerade diese Analyse, das die Auseinandersetzung mit Effizienz immer schon ein Umweg ist, immer schon eine Kraft verbraucht, die auf Ineffizienz beruht! Das sinnlose Verbrauchen von Kraft… Das Verbrauchen von Kraft wird von uns als sinnlos wahrgenommen, wenn es ziellos ist! Ausnahme: Das Hobby, aber das ist ein anderes Thema!Heute ist die Ziellosigkeit das Schlimmste – die fehlende Perspektive auf das Morgen, das ist das aller schlimmste…selbst wenn – und das ist der Postmoderne Clou an der Sache – wir heute jedwede Sinnlosigkeit mit einem imaginären Ziel in Verbindung bringen, damit rechtfertigen und sogar in einen Imperativ umformulieren können – aber das ist neu, das gibt es noch gar nicht so lange… vor nicht allzu langer Zeit klang das noch anders:

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