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Jürgen Ziemer schreibt inDer Freitag, Ausgabe 46/2017: Management ist, wenn andere arbeiten.

„Mit seiner Show untersucht der Hamburger Künstler, Autor und Performer Armin Chodzinski Begriffe der Wirtschaft mit den Möglichkeiten der Kunst. Wirtschaft ist in vielerlei Hinsicht ein angstbesetztes Thema. Niemand kennt einen Tellerwäscher, der zum Millionär wurde – höchstens jemanden, der mit Telekom-Aktien viel Geld verloren hat. Die großen Tageszeitungen machen es ihren Lesern auch nicht leicht. Die Scheu der Deutschen, ihre Ersparnisse an der Börse anzulegen, ist in den Wirtschaftsteilen regelmäßige Steilvorlage für paternalistischen Spott. Wenn das Volk nicht genug Rente hat, soll es eben Fonds kaufen.
So einfach macht es sich Armin Chodzinski nicht. Mit seiner Radioshow Dr. C’s Conversationslexikon untersucht der Hamburger Künstler, Autor und Performer Begriffe der Wirtschaft mit den Möglichkeiten der Kunst. Nie gelassen und onkelhaft, sondern in ständiger Alarmbereitschaft. Auch hier geht es um A wie Aktie, oder I wieInnovation. Aber eben nicht im üblichen Erklärmodus eines Lexikons und auch nicht so evangelikal, wie man es von den Verfechtern des Neoliberalismus kennt. Chodzinski, der im Rahmen seines Kunstprojekts Armin Chodzinski muss ins Management tatsächlich im Management eines Lebensmittelkonzerns tätig war, möchte verstanden werden. Er schüttelt Merksätze aus dem Ärmel, die verblüffend einfach klingen, aber dann doch eine enorme Tiefe entwickeln. „Management is getting things done through other people“, zum Beispiel.“

Stefan Fischer schreibt für SZ-Online: „Armin Chodzinski schreibt Dr. C’s Conversationslexikon klug und amüsant fort. In den neuen Folgen der wirtschaftskritischen Reihe geht es um I wie InnovationM wie Management und A wie Aktie

Dr. C.’s Conversationslexikon: Mit vorzüglicher Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeiten von Jochen Meissner für die Medienkorrespondenz16.10.2015

„Dr. C.’s Conversationslexikon“ ist kein konventionelles Erklärstück, sondern funktioniert als eine Art Gedankenflug, der sich von einer Basisdefinition aufschwingt, um dann in ganz andere Gefilde abzuheben. Ein Beispiel: Vom Ursprung des Geldes, wie ihn der „Brockhaus“ beschreibt – „Das lateinische Wort pecunia (Geld) wird in der Regel auf pecus (Vieh) zurückgeführt; es weist auf den sakralen Ursprung des Geldes als den Ersatz des Opfertieres hin, das auf der Münze abgebildet wurde“ –, geht es gleich zur „Philosophie des Geldes“ von Georg Simmel: „Es scheint, als ob selbst das nutzbarste Objekt, um als Geld zu funktionieren, auf seine Nützlichkeit verzichten müsste. […] Wenn zum Beispiel in Abessinien besonders zugeschnittene Stücke Steinsalz als Scheidemünze kursieren, so sind sie doch eben Geld nur dadurch, dass man sie nicht als Salz gebraucht.“ Und schließlich wird dann im Rückgriff auf Kant „Geld als allgemeines Mittel, den Fleiß der Menschen gegeneinander zu verkehren“, bezeichnet. Eine Vorstellung aus einer Zeit, als Geld noch keine Ware war, die den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen um ein Mehrfaches übersteigt.
Dabei geriert sich Chodzinski nicht als platter Kapitalismuskritiker, denn alles in allem hält er Geld für eine gute Sache: „Geld ist ein abstraktes Verhältnis, auf das wir uns einlassen, um näher zusammenzukommen! Geld ermöglicht es, sich als Fremde zu begegnen und das auch zu bleiben.“ Geld ist also ein Mittel zur Vergesellschaftung, nicht zur Vergemeinschaftung. Geld ermöglicht zugleich Anonymität und Privatsphäre, Nähe und Distanz, Kommunikation und Konversation, weil es das Individuum von allerlei Zumutungen entlastet, die Gemeinschaften so mit sich bringen. „Geld ist Freiheit“, wusste schon DDR-Dramatiker Heiner Müller, dem man wenig Sympathie für den Kapitalismus nachsagen kann.