{"id":137,"date":"2018-12-28T08:00:53","date_gmt":"2018-12-28T08:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/conversationslexikon.de\/?p=137"},"modified":"2019-01-25T15:03:51","modified_gmt":"2019-01-25T15:03:51","slug":"ein-anarchistischer-bankier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/conversationslexikon.de\/?p=137","title":{"rendered":"Ein Anarchistischer Bankier"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ein_anarchistischer_Bankier\"><strong>Fernando PESSOA (1922): Ein Anarchistischer Bankier.<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>S.49  <\/strong>  \u201eIch wollte wissen, welches die gr\u00f6\u00dfte, die gewichtigste gesellschaftliche Fiktion w\u00e4re. An dieser wollte ich mich mehr als an irgendeiner anderen versuchen, wollte sie bezwingen und zur Wirkungslosigkeit verdammen. Die gewichtigste Fiktion in unserer Zeit ist nun einmal das Geld. Wie aber das Geld bezwingen oder \u2013 genauer gesagt \u2013 wie die Macht bzw. die Tyrannei des Geldes bezwingen? Indem ich mich von seinem Einflu\u00df, seiner Macht befreien w\u00fcrde, seinen Einflu\u00df also besiegen und es, jedenfalls auf meine Person bezogen, zur Wirkungslosigkeit verdammen w\u00fcrde. Auf meine Person bezogen, verstehen Sie? <\/p>\n\n\n\n<p>Weil ich es war, der es bek\u00e4mpfte; h\u00e4tte ich es zur Wirkungslosigkeit im Hinblick auf alle anderen verdammt, h\u00e4tte ich es nicht bezwungen, sondern schon vernichtet, denn ich h\u00e4tte dann ja mit der Fiktion Geld \u00fcberhaupt Schlu\u00df gemacht. Nun habe ich Ihnen aber schon nachgewiesen, da\u00df eine gesellschaftliche Fiktion nur durch eine gesellschaftliche Revolution >vernichtet&lt; werden k\u00f6nnte, in deren Verlauf diese Fiktion mitsamt den anderen in den Sog der einst\u00fcrzenden b\u00fcrgerlichen Gesellschaft geraten w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sollte ich nun die Macht des Geldes besiegen?<\/strong> Die einfachste Methode w\u00e4re gewesen, mich aus seiner Einflusssph\u00e4re, das hei\u00dft aus der Zivilisation zur\u00fcckzuziehen; ich h\u00e4tte aufs Land gehen k\u00f6nnen, Wurzeln essen und Wasser aus den Quellen trinken, nackt herumlaufen, wie ein Tier leben k\u00f6nnen. Doch selbst wenn mir das keine Schwierigkeiten bereitet h\u00e4tte, h\u00e4tte ich damit keine gesellschaftlichje Fiktion bek\u00e4mpft; ich h\u00e4tte \u00fcberhaupt nicht gek\u00e4mpft, ich w\u00e4re geflohen. Nat\u00fcrlich: wer sich vor einer Schlacht dr\u00fcckt, kann in ihr nicht geschlagen werden. Doch moralisch ist er geschlagen, weil er nicht gek\u00e4mpft hat. Ich musste also anders vorgehen,- was ich brauchte, war eine Kampf- und keine Fluchtmethode. Wie das Geld bek\u00e4mpfen und es dabei noch bezwingen? Wie sich seinem Einflu\u00df und seiner Tyrannei entziehen, ohne ihm aus dem Weg zu gehen? Die einzige Methode war \u2013 es zu erwerben, es in so gro\u00dfer Menge zu erwerben, dass sein Einflu\u00df nicht mehr sp\u00fcrbar werden konnte; und je gr\u00f6\u00dfer die erworbene Menge w\u00e4re, desto freier w\u00fcrde ich von seinem Einflu\u00df. Als mir das mit der ganzen Kraft meiner anarchistischer \u00dcberzeugung und der Logik meines Scharfsinns vor Augen stand, trat ich, lieber Freund, in die jetzige Phase \u2013 in die Kommerz- und Bankphase meines Anarchismus ein.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fernando PESSOA (1922): Ein Anarchistischer Bankier. 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